Fehler der Medien (für Interviews/Reportagen)

Trans 101: Basisinformationen für die Berichterstattung in Medien

Wenn ein Kind geboren wird, wird es in unserer Gesellschaft meist in die Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ eingeteilt. Diese Zuordnung wird in den meisten Fällen anhand sichtbarer Körpermerkmale getroffen: Kinder mit Penis werden als “männlich”, Kinder mit Vulva als “weiblich” bezeichnet.

Bei den meisten Menschen stimmt das Geschlecht, dem sie bei der Geburt aufgrund ihrer Genitalien zugeordnet wurden, mit ihrer Geschlechtsidentität überein. Sie sind „cis“. Bei manchen Menschen stimmt das zugeordnete Geschlecht nicht mit ihrer Geschlechtsidentität überein. Sie sind „trans“. 

Menschen, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde, die sich aber mit dem männlichen identifizieren, nennt man “trans Männer”. Menschen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, die sich aber mit dem weiblichen identifizieren, nennt man “trans Frauen”.
“Trans Mann” soll betonen, dass es sich um einen Mann handelt, der – neben vielen anderen Eigenschaften – auch trans ist. Das Adjektiv kann aber weggelassen werden. 

Nicht alle Personen identifizieren sich (ausschließlich) als Frauen oder Männer. Menschen, die sich außerhalb des binären Geschlechtermodells (Mann/Frau) verorten, bezeichnen sich oft als “nichtbinär” oder “genderqueer”. Es gibt auch noch weitere, genauere Bezeichnungen für nichtbinäre Geschlechtsidentitäten.

Unterschied zu “inter”: Kommen Kinder mit körperlichen Merkmalen (chromosomal, anatomisch und/oder hormonell) zur Welt, die nicht den medizinischen Normen eines rein männlichen oder weiblichen Körpers entsprechen, können sie in Österreich als „divers“, „inter“, „offen“ oder ohne Geschlechtseintrag erfasst werden. Menschen, deren Körper als “eindeutig” weiblich oder männlich eingeordnet werden, stehen diese Optionen derzeit nicht offen.

Manche trans Personen wissen schon als Kleinkind, dass sie sich nicht mit jenem Geschlecht identifizieren, dem sie zugeordnet wurden. Andere Menschen erkennen erst in der Pubertät oder als Erwachsene, dass sie trans sind. Meist ist damit ein längerer innerer  Prozess verbunden („inneres Coming-out“), der mit Fragen einhergeht wie „Bin ich wirklich trans?“, „Wie werden meine Mitmenschen reagieren, wenn ich ihnen das erzähle?“, „Was soll ich jetzt tun?“ oder „Wie wird mein Leben in Zukunft aussehen?“. Da unsere Gesellschaft oft abwertend über trans Personen spricht, haben auch viele trans Personen selbst ein negatives Bild im Kopf, das es erst zu überwinden gilt.

Den meisten trans Menschen ist es wichtig, sich ihrer Identität entsprechend zu kleiden und mit Vornamen und Pronomen adressiert zu werden, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechen. Meist werden zunächst im informellen Rahmen (Freund*innenkreis, Familie etc.) ein anderer Name und andere Pronomen (sie/er/they etc.) verwendet, um herauszufinden, was sich stimmig anfühlt. Die offiziellen Änderungen des Vornamens und/oder des Personenstandes werden in Österreich am Standesamt und an der Bezirkshauptmannschaft durchgeführt.

Viele trans Menschen leiden unter Geschlechtsdysphorie – dem unangenehmen Gefühl, dass mit Geschlecht in Verbindung gebrachte Merkmale ihres Körpers nicht zu ihrer Identität passen – und setzen deswegen Schritte, um ihre Geschlechtsidentität besser über ihren Körper ausdrücken zu können (z.B. Hormonersatztherapie, Operationen, Stimmtraining etc.). Für eine Hormonersatztherapie und für chirurgische Eingriffe sind neben der Einwilligung der behandelnden Mediziner*innen Stellungnahmen von Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen und Psychiater*innen notwendig.

Nicht alle trans Personen sind gleich stark von Dysphorie betroffen und auch die Wege, mit Dysphorie umzugehen, unterscheiden sich. Manche trans Personen ergreifen aus verschiedenen Gründen keine medizinischen Maßnahmen. Das bedeutet nicht, dass sie weniger trans sind.

Cis Personen können transidente Menschen beim Outing und während der Transition unterstützen, indem sie ihnen aufmerksam zuhören und ihnen vermitteln, dass das Outing keine negativen Auswirkungen auf die kollegiale Zusammenarbeit, Freundschaft oder familiäre Zugehörigkeit hat. Das Verwenden jener Pronomen und jenes Namens, mit denen sich eine Person vorstellt, sollte als selbstverständlich und als Teil der höflichen Etikette angesehen werden. Eine positive, unkomplizierte Reaktion auf ein Outing ist etwa: „Danke für die Info. Ich habe deinen Kontakt in meinem Handy geändert.“

Auch die Repräsentation von Transidentität in den Medien kann trans Personen bei ihrer Identitätsfindung helfen. Leider werden in vielen Medienberichten noch immer veraltete Ausdrücke und problematische Formulierungen verwendet, die eine echte Aufklärung über das Thema blockieren. In der untenstehenden Tabelle werden solche Ausdrücke und Formulierungen aufgelistet, erklärt und Alternativen gegeben.

 

 

veraltet zeitgemäß
Geschlechtsumwandlung, Verwandlung veraltete Ausdrücke, die sich nach Zauberei anhören. Der Körper wird nicht umgewandelt, sondern cis-männlichen/cis-weiblichen Körpernormen bzw. dem individuellem Körperempfinden angeglichen. Daher richtig: Angleichung
Transformation Transition (= Prozess der Veränderung, z.B. Namensänderung, Coming-Out, äußerliche Veränderungen). Wie lange der Transitionsprozess dauert und ob er sich jemals abgeschlossen anfühlt, nehmen trans Personen sehr unterschiedlich wahr.
“ein Transgender” “Transgender” sollte nicht als Personenbezeichnung verwendet werden. “Trans” oder “transgender” sind Adjektive und beschreiben einen Menschen näher (z.B. trans Mann).
“Transe“, „Tranny“ Schimpfwörter. Gleichzusetzen mit „Schwuchtel“, „Woarmer“, …
Transmann/Transfrau trans Mann/trans Frau
Trans ist ein Adjektiv. Ein trans Mann ist ein Mann, der – neben vielen anderen Eigenschaften – auch trans ist.  “Transmann”/”Transfrau” kann suggerieren, dass es sich um keinen “echten” Mann bzw. keine “echte” Frau handelt.
transsexuell „Transsexuell“ ist ein veralteter Ausdruck, der an „hetero-, homo- oder bisexuell“ erinnert. Die Geschlechtsidentität einer Person sagt aber nichts über ihre sexuelle Orientierung aus.

Richtig: transgender, trans

“Zum Mann/ zur Frau operiert” eine trans Person ist auch ohne OPs bereits Mann/Frau
“Im falschen Körper gebore” Ein Körper ist nicht „falsch”, bloß weil er Merkmale aufweist, die einem anderen Geschlecht zugeordnet werden. Es kann sein, dass manche trans Personen ihre Körper oder bestimmte Körpermerkmale als „falsch” wahrnehmen. Das trifft jedoch nicht auf alle trans Menschen zu. Daher sollte diese Formulierung nicht pauschal verwendet werden, um das Empfinden von trans Personen zu beschreiben.
“war früher einmal ein Mädchen” Trans Männer waren keine Mädchen, sie wurden lediglich als solche eingeordnet. Wie trans Personen über ihre Vergangenheit sprechen ist individuell.
“will ein Mann sein” Trans Männer sind Männer (auch ohne Hormone, OPs etc.), genauso wie cis Männer Männer sind.
Verwendung falscher Pronomen nur jene Pronomen verwenden, die die betreffende Person für sich verwendet/wünscht
Verwendung des früheren Namens/Fragen nach dem „echten“ Namen Der echte Name ist jener, den eine Person aktuell verwendet. Oft sind mit dem früheren Namen (“Deadname”) schmerzhafte Erinnerungen verbunden.
Verwendung des alten Namens bei der Vorstellung einer Person, z.B. „Marie heißt jetzt Lukas“ Ausschließlich den von der Person selbst gewählten Namen verwenden. Nur bei Notwendigkeit und nur nach Absprache den alten Namen verwenden (ähnlich wie Verheiratete selten nach ihrem früheren Nachnamen gefragt werden).
Fragen zu Genitalien,

wie z.B. „Bist du schon komplett operiert?“, „Was hast du zwischen den Beinen?“

Beim Gespräch über Genitalien gelten bei trans Personen die gleichen Regeln wie bei Gesprächen mit cis Personen. Über Genitalien wird meist nur mit engen Freund*innen, Partner*innen oder im Rahmen der Gesundheitsversorgung gesprochen. 

Hingegen ist es z.B. möglich zu fragen, welche Operationen möglich sind und welche davon in Österreich angeboten werden, etc. Hier geht es um allgemeine, technische Fragen, die eine einzelne trans Person nicht unbedingt selbst betreffen müssen.